Wie die Zeiten sich ändern! Unsere Großeltern haben sich vermutlich noch gar keine, unsere Eltern wenig Gedanken gemacht, wie die Energiebilanz ihres Hauses aussieht. Inzwischen leben wir im EnEV-Zeitalter, und die solcherart abgekürzte Energieeinsparungsverordnung baut immer und überall mit. Energiesparhäuser wurden vom Gesetzgeber zum Baustandard erhoben. Begriffe wie Passivhaus, Effizienzhaus usw. umschwirren den möglicherweise etwas ratlosen Käufer oder Bauherren, und selbst wenn er weiß, dass sich dank ausgeklügelter Dämmung und technischer Neuerungen ganz vorzügliche Energiewerte erzielen lassen, so ist er gegen den Ansturm der Neuerungen mit oft nur lückenhafter Detailkenntnis gewappnet.

Frage also: Existiert eine leicht verständliche Definition für Energiesparhaus? Nein. Alles, was deutlich weniger Energie verbraucht als ein konventionell gebautes Haus ist im Prinzip ein Energiesparhaus.

Doch herrschen auf diesem Gebiet eine Reihe feiner Unterscheidungen:

  • das Plus-Haus. Es markiert den Gipfel des Energiesparens, weil es mehr Energie erzeugt als verbraucht.
  • das Null-Energiehaus. Es ist energiemäßig autark, da es mithilfe von Solarthermie, Photovoltaik oder Wärmerückgewinnungsanlagen seine Energie selbst erzeugt.
  • das Passivhaus. Es benötigt die Heizung nur für Frosttage und darf per Definition pro Jahr und Quadratmeter Wohnfläche höchstens 1,5 Liter Heizöl verbrauchen. Gute Dämmung und Wärmerückgewinnungsanlagen sind das Rezept für solche Sparsamkeit.
  • das 3-Liter-Haus. Mit einem ähnlichen Konzept wie das Passivhaus setzt es immerhin drei Liter Heizöl pro Jahr und Quadratmeter Wohnfläche um.
  • das Sonnenhaus. Sollte mindestens 50 Prozent, wenn’s geht sogar 100 Prozent seiner Heiz- und Wasserenergie aus den Sonnenstrahlen schöpfen. Klar, dass es dafür großer Solarkollektoren und eines Pufferspeichers bedarf.
  • das KfW-Effizienzhaus. Dabei handelt es sich um förderfähige Energiesparhäuser, die weniger Energie verbrauchen, als es die gesetzlichen Mindestanforderungen vorschreiben.

Zu den konkreten baulichen Maßnahmen, die den Energieverbrauch gegen null drücken, gehören:

  • Fenster mit bis zu dreifacher Wärmeschutzverglasung;
  • luft- und winddichte Verarbeitung aller Bauteile;
  • kompakte Gebäudeform, wie sie für eine dem Bauhausstil nachempfundene Architektur typisch ist. Das bedeutet u. a. Verzicht auf Gauben, Erker und sonstige Vorsprünge;
  • pfiffige Nutzung der Himmelsrichtungen, soll heißen: große Fensterflächen nach Süden, so wenig Glas wie möglich auf der Nordseite;
  • Einsatz energiesparender Materialien: Wärmedämmsteine bei Massivhäusern (auch Ziegel sollten zusätzlich gedämmt sein), dämmstoffgefüllte Holzkonstruktionen;
  • bei Fachwerk- und Blockbohlenwänden lassen sich Energiesparziele nur schwer und mit großem Dämmungsaufwand erreichen.

Die Vorteile der Energiesparbauweisen liegen auf der Hand: das Raumklima ist deutlich besser als in mäßig gedämmten, undichten Häusern (allerdings, gerade bei gut abgedichteten Häusern muss regelmäßig gelüftet werden), und die Unterhaltskosten amortisieren den baulichen Aufwand binnen weniger Jahre. Setzt man für einen Altbau aus den Siebzigerjahren einen – grob geschätzten – Richtwert von 3000 Euro/Jahr Heizkosten an, so kommt das erwähnte Drei-Liter-Haus mit 300 Euro im Jahr aus.