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Dienstag, 27. Oktober 2020

Familie Petzi – Wow, DIY lohnt sich am Ende

Sie sind Allergiker und können deshalb keine Haustiere halten? Kein Problem! Unsere Petzis haben da ganz besondere Haustiere. Bei den Renovierungsarbeiten im Wohnzimmer stößt...
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    Eltern, bitte zahlen!

    Schule ist kostenlos. Das ist eine Aussage, die einerseits stimmt und doch völlig an den Tatsachen vorbeigeht. Schule ist kostenlos. In vielen Bundesländern, darunter Nordrhein-Westfalen, ist dieser Satz in der Verfassung verankert. Eltern von Schulkindern wissen es allerdings besser: Schule ist alles andere als kostenlos. Sie geht ins Geld.

    Klar, es herrscht eine allgemeine Schulgeldfreiheit. Grundschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium, sie alle können (bzw. müssen) besucht werden, ohne dass eine Zulassungsgebühr in Form von Schulgeld nötig würde. Denn zumindest bei staatlichen Einrichtungen soll der Grundsatz gelten: Welche Schule ein Kind besucht, darf nicht von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern abhängen.

    Der Schulalltag sieht anders aus. Er schwemmt den Eltern jede Menge Nebenkosten ins Haus. Bücher, Hefte, Stifte, Füllfederhalter, o.k., darauf war man gefasst.

    Aber schon das Erlebnis der ersten Schuljahre wird zu der Erfahrung führen, dass Lehrer eine unbezwingbare Vorliebe für Sonderwünsche haben. Stets müssen es ganz bestimmte Stifte sein, ganz bestimmte Hefte mit besonderen Randbreiten, Schnellordner in sechs verschiedenen Farben und Schutzhüllen für jedes einzelne Buch. Es zahlen: die Eltern.

    Und überall dort, wo die Schule über die reine Wissensvermittlung hinausgeht, wo etwa das Gymnasium seinem ursprünglichen Anspruch zu geistiger und körperlicher Persönlichkeitsentwicklung gerecht werden will, wird der Spaß richtig teuer.

    Kunstunterricht? Ist vor allem eine kleine Materialschlacht. Und sollte mal ein Museumsbesuch eingeschoben werden – die Eltern zahlen.

    Musikunterricht? Ach, wie wichtig für das musische Verständnis des Kindes wäre es doch, wenn auch jenseits der (maximal) zwei Schulstunden pro Woche musiziert würde! Natürlich muss dazu ein Instrument her, und Instrumente sind Elternsache. Ebenso die Gebühren für den Unterricht an einer Musikschule, auch wenn es sich bei dieser nicht um eine Privatschule, sondern um eine öffentlich finanzierte Einrichtung handelt.

    Selbst der Sportunterricht ist kein Ort spartanischer Genügsamkeit.  Die Turnschuhe aus dem Sportverein? Taugen in der Schule nicht, der sensible Hallenboden verlangt nach besonderen Sohlen. Die Sportkleidung? Muss einheitlich sein. Eltern, zahlen Sie!

    Und jedes neue Schuljahr startet mit der Abgabe des Kopiergeldes und dem Ordern neuer Bücher. Hat die Schule eine Mensa? Bestens. Essensgeld kommt dann noch obendrauf.

    Als ein besonderer Posten der Elternbeteiligung werden gern Klassenfahrten angeführt. Stimmt. Wer, was vorkommen soll, drei Kinder an unterschiedlichen Schultypen hat, wird staunen, auf was für exklusive Klassenfahrten-Ideen die Lehrer kommen und wie schlecht sie ihre Touren im Vorhinein kalkulieren können. Am Ende wird der Spaß immer teurer als gedacht – für die Eltern natürlich, die im Übrigen gut daran tun, ihre Kinder mit reichlich Taschengeld auszustatten. Denn bei aller Üppigkeit der Fahrtkosten hatten die Lehrer eines meist nicht im Visier: die Verpflegung unterwegs.

    Doch gibt es auch unterhalb des Klassenfahrt-Niveaus genug Gelegenheit, die Eltern mit kleinen, aber stetigen Beiträgen zu schröpfen. Eine Klassenfeier? Wird ausschließlich über einen „Beitrag“ der Eltern finanziert. Weihnachten? Die Mütter kommen zum Backen, auf eigene Kosten. Die „Projektwoche Zirkus“? Die Eltern zahlen gleich mehrfach: für die Woche selbst, für den Eintritt zur Vorstellung und für den Imbiss außerhalb des Zirkuszeltes.

    Am Ende der langen Schulzeit, wenn das Abitur geschafft wurde, wird es noch einmal richtig teuer. Denn der Trend geht zur Gala-Abiturfeier. Der „Kölner Stadtanzeiger“ listete einmal die Kosten von Feiern auf, die, mit Billigung der jeweiligen Schulkonferenz (Lehrer + Eltern), aus dem Ruder gelaufen sind: Abi-Abschlussball im edlen Gürzenich-Saal, Kostenpunkt: 30 000 Euro. Zähneknirschend von den Eltern zusammengekratzt. Wer wendet sich schon gegen Mehrheitsbeschlüsse!

    Oder ein launiger Abi-Abend im VIP-Bereich des Rheinenergie-Stadions. Kostenpunkt: 45 000 Euro, ohne Getränke.

    Danach kann das Studium ja beginnen. Aber bitte mit BAFöG!

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